28.09.17 - ALI AS - Insomia Tour 2017
 ALI AS
 abgesagt
Location: Mergener Hof Trier
Einlass: 19:00 Uhr
Beginn: 20:00 Uhr
Vorverkauf: 23,50 €  Online bestellen
Abendkasse: nach Aushang
Website: https://www.facebook.com/AliAs.BM4G/
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ALI AS

INSOMIA TOUR 2017

 

Für Ali As hätte 2016 nicht besser laufen können: Sein Album »Euphoria« stieg auf Platz 6 in den Charts, die Single »Lass Sie Tanzen« mit Namika steht mit XX.XXX verkauften Einheiten ein gutes Jahr nach Release kurz vor Goldstatus, er arbeitet mit Kollegah und MoTrip zusammen und erspielte sich mit über 60 Shows in einem Jahr einen Namen als Live-Rapper erster Güte. Nun, auf dem Papier liest sich das alles alle ganz wunderbar - und trotzdem stimmte rückblickend betrachtet irgendetwas nicht.

»Mitte 2016 ging es mir richtig scheiße«, blickt Ali As zurück. »Ich war am Ende. Wenn Leute meine Spur schneiden wollten, bin ich direkt drauf eingestiegen und habe nach deren Regeln gespielt. Dabei müsste ich ja eigentlich derjenige sein, der sagt, wo es in meinem Leben langgeht und sollte mir von niemandem reinreden lassen.« Hinzu kommt ein beinahe wahnsinniger Workload: Er reißt Show nach Show ab, geht in Gedanken schon das neue Album an, schreibt mit Pop-Acts deren nächsten großen Hits. Die Folge: Er wird von Schlafstörungen geplagt, bekommt manchmal nur zwei Stunden pro Nacht die Augen zu.

Nicht gerade die besten Vorrausetzungen, um am Nachfolger für ein Top-Ten-Album zu arbeiten. Ali macht es trotzdem und fliegt gemeinsam mit seinen Produzenten David und Eli nach Los Angeles. Einen Nachmittag, läuft er dem US-Rapper und Shootingstar Famous Dex über den Weg. »Als wir uns kennengelernt, die Hände gegeben und in die Augen geschaut haben, war mein erster Gedanke: ›Fuck, ich habe den im Internet so mies gehated!‹ Aber er hat mich super respektvoll behandelt und Liebe gezeigt, während ich mich in Grund und Boden geschämt habe. Ich habe einfach Unsinn über einen Typen im Internet geredet, obwohl ich rein gar nichts mit ihm zu tun habe. Da habe ich gemerkt: Ich denke zwar die ganze Zeit, dass ich besser als die anderen bin, in Wahrheit bin ich aber genau wie all jene Leute, die Scheiße ins Internet schreiben und ständig haten.«

Die beiläufige Begegnung in einem Café in L.A. sorgt dafür, dass es bei Ali As Klick macht. »In dem Moment habe ich gemerkt, dass einen Hass nicht weiter bringt. Warum soll ich mich darüber aufregen, was andere über mich erzählen? Stattdessen beschäftige ich mich doch viel lieber nur noch mit positiven Dingen.« Nur: Was macht man mit dieser neugewonnenen Erkenntnis? Richtig, ein Album. Ein sehr gutes sogar. 

Nach dem Ali sich für »Euphoria« nach Hawai zurückzog und sich von der dortigen Umgebung inspirieren ließ, prägt Los Angeles selbstredend auch den Entstehungsprozess von »Insomnia«. Ali kurvt mit Luxuskarossen durch die Hollywood Hills, während im Radio US-Rap und keine geschmacksverkalkten Deutschrapbelanglosigkeiten laufen. Er lässt den Vibe der leuchtenden Stadt im Tal auf sich wirken, in der keiner ihn blöd von der Seite anfickt oder schlecht hinterm Rücken redet – und auf einmal klappt auch das mit dem Schlafen wieder besser.

Das mit der neuen Musik sowieso. Neben David und Eli helfen auch The Cratez dabei, den Sound der beiden Vorgängeralben noch mal auf ein gänzlich neues Level zu hieven. Herausgekommen sind Songs, die ihresgleichen suchen. »›Amnesia‹ war das bessere Album und ›Euphoria‹ hatte die krasseren Hits – für ›Insomnia‹ haben wir beides vereint«, sagt Ali As sichtlich stolz. »Und dazu kommt: Ich bin auf dem neuen Album das erste Mal so sehr bei mir selbst wie noch nie zuvor.«

Aber anstatt die Emoschiene zu fahren und auf die Tränendrüse zu drücken, verpackt Ali seine Selbsterkenntnis in lupenreine Reimpattern und bettet sie nie pathetisch aber stets pointiert auf High-Class-Produktionen. Klar wird auf »Stuntman« geflext, aber eben nicht nur. Natürlich ist »Mercedes« eine Lobeshymne auf Luxuskarossen, aber eben nicht nur. Mag sein, dass »Cai Dojo Style« lyrisches Kung Fu liefert und Ali As »Jasmina« einen der Sommerhits schlechthin liefern wird. Solche Dinge hat er immer schon getan. Aber zwischen und in den Zeilen schwingt etwas mit, dass mehr ist als Braggin’ and Boastin’, mehr ist als nur Battlerap.

»Ich gebe den Leuten nicht das, was sie verlangen oder was gerade angesagt ist, sondern machen die Musik, von der ich glaube, dass sie sie brauchen. Gerade in einer Zeit, in der junge Kids mit Drogen Eskapismus betreiben, die AfD immer stärker wird und von Aleppo bis Alessio alles scheiße ist, muss man sich überlegen, was man sagen will. Wie kann man den Kids da erzählen, dass man Leute absticht? Mag sein, dass das dein Portemonnaie dicker macht – aber die Welt wird davon kein Stückchen besser.«

 
 
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